15.04.2011 | spiegel online | Die Mauer muss weg!

April 15th, 2011  |  Published in Pressarchive  |  2 Comments

Ist ja fast wie 1989! Für Samstag haben die verbliebenen Tacheles-Künstler zum Protest gegen die Räumung des Berliner Kunsthauses aufgerufen. Eine Steilvorlage lieferte ihnen dafür der Zwangsverwalter des Geländes: Er hat ausgerechnet eine Mauer errichten lassen, um sie auszusperren.

Berlin – Man kann es sich schon lebhaft vorstellen: Tacheles-Chefkünstler Martin Reiter schwenkt eine selbstgemalte Demo-Pappe über dem Kopf, schüttelt die geballte Faust, mit ihm marschieren marodierende Schrottkünstler auf der Oranienburger Straße in Berlin-Mitte, und alle gemeinsam skandieren: “Die Mauer muss weg!” So oder so ähnlich wird es sein, wenn am Samstag die verbliebenen Bewohner des Berliner Kunsthauses “Tacheles” auf die Straße gehen.

Konnte man den jahrelangen Streit um das Berliner Kunsthaus Tacheles schon bisher ein Theaterstück nennen, wird er jetzt vollends zur Posse: Am Dienstag hat der Zwangsverwalter des Tacheles-Geländes ausgerechnet eine Mauer errichten lassen, um den Künstlern den Zugang zum mittlerweile geräumten Areal hinter der Ruine zu erschweren. Die Künstler haben nun für Samstag zu einer Demonstration gegen den Mauerbau aufgerufen.

“Keine solchen Maßnahmen geplant”

Die Assoziation zur Berliner Mauer, die von 1961 bis 1989 die Hauptstadt in Ost und West teilte, liegt auf der Hand – und wird von Linda Cerna, der Pressesprecherin der Tacheles-Künstler, noch verstärkt: “Wenige Tage vor dem Mauerbau gab es noch ein Gespräch mit dem Zwangsverwalter, in welchem dieser zusicherte, dass keine solchen Maßnahmen geplant sind”, sagt Cerna. Hier soll wohl das berühmte Ulbricht-Zitat anklingen: “Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.”

Hat der Zwangsverwalter nun aber doch – war aber für eine Begründung dieser symbolischen Großtat zunächst leider nicht erreichbar. Anders Gesine Dähn, die Sprecherin der HSH-Nordbank, welcher das Tacheles-Gelände infolge eines geplatzten Kredits zugefallen war. Die Mauer, sagt Dähn, sei “eine weitere Sicherung des Zwangsverwalters, damit nicht zum Beispiel Autos oder andere Fahrzeuge auf das geräumte Gelände gebracht werden können”. Offenbar befürchtet man eine neue Besetzung der Brache.

Kommt Künast? Oder Wowereit?

Nicht nur die Mauer erzürnt die Bewohner, die sich mit einer “Salamitaktik” aus dem Gebäude genötigt sehen, sondern auch die Sperrung des Wasseranschlusses für das Gelände. Auf Nachfrage räumt Cerna jedoch ein, dass die Künstler schon seit geraumer Zeit keinen Zugang mehr zum öffentlichen Wassernetz hatten, weil der verfeindete Betreiber der Gastronomie im Erdgeschoss längst abgeklemmt hatte. Sie behelfen sich seither mit einer Regenwasseranlage.

Wie dem auch sei – die Künstler erhoffen sich vom Mauerbau eine gehörige öffentliche Empörung und Sympathie. Für ihre Kundgebung haben sie auch Renate Künast und Klaus Wowereit als Gastredner angefragt, schließlich müssten sich die (künftig) in Berlin Regierenden doch äußern, wenn mitten in Berlin eine Mauer errichtet werde. Bisher scheinen weder die Grüne noch der Sozialdemokrat Interesse daran zu haben, eine Rolle im großen Tacheles-Theater zu übernehmen: Eine Antwort steht noch aus. Immerhin: Dr. Motte, der Love-Parade-Erfinder, hat schon zugesagt.

kuz

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Responses

  1. die maus says:

    April 16th, 2011at 18:37(#)

    und wieder schreibt der spiegel nicht hinterfragten blödsinn! das wasser wurde von den bwb abgestellt da der verein dort zwölftausend euro schulden hat! keiner weiss was martin reiter mit den mieten macht die er seit über zehn jahren, monat für monat von den künstlern kassiert.

  2. Africa says:

    April 17th, 2011at 09:46(#)

    Er steckt sie zumindest nicht in sein Aussehen.

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