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3.10.2010: Grundsteinlegung Berliner Riesenkranz

Unter dem Motto “Wir bauen selbst” wurde in einem feierlichen Ritual am 3. Oktober 2010 vor rund 70 Gästen der Grundstein zum Berliner Riesenkranz enthüllt. In Redebeiträgen wurde der von Richard Gruber und Alex Boese gestaltete Grundstein als Neubeginn für das Kunsthaus Tacheles gefeiert. Der kubanische MC Lorge Martinez Sanchez vertrieb mit Gesängen und Trommelspiel die bösen Geister der Gier, der Trennung und des Streits vom Tacheles-Areal. Ihre Wut, Ängste und Zweifel verbrannten die Teilnehmer in einem darauf folgenden Freudenfeuer.

Bei der abschließenden Pressekonferenz erklärte Ludwig Eben den Verkauf des Geländes an die Fundus-Gruppe in den Neunzigern und damit die jetzigen Eigentumsverhältnisse für nichtig. Der Architekt Hank Moell rief einen Architekturwettbewerb für das 23600qm große Gesamtareal aus, auf dem auch das Tacheles mit etwa 4000qm angesiedelt ist. Aus Angst vor einer Stürmung des Gesamtgeländes durch die Teilnehmer schickte die HSH Nordbank, die als Häuptgläubiger von Fundus das Gelände zwangsverwalten lässt, verstärkt Security.

Riesenkranz-Crew (v.l.n.r.): Tim Africa, Anne Khan, Otto Glugar, Joanna Anastassiou-Brix, Katrin Maßmann, Wolfgang Pietsch, Alex Boese, Ludwig Eben, Lorge Sanchez, Sabrina Klein, Kati Geißler, Txus Parras, Moritz Hegewald, Hank Moell, Ramona Rosen. Es Fehlen: Richard Gruber, Steve Stevens, Michael Gärtner.

Txus Parras legte danach auf und Lorge rappte und tanzte, während das Feuer brannte. Bis tief in die Nacht.

HSH Nord räumt weiter

Während bei der HSH Nordbank nach einer Skandalserie und Milliardenverlusten die Stühle wackeln, gehen ihre Aktivitäten zur Räumung des Kunsthaus Tacheles in die nächste Runde. Trotz zahlloser Gesprächsangebote der Gruppe Tacheles und der erklärten Bereitschaft, das Gelände zum Marktwert zu kaufen, findet am morgigen Mittwoch der nächste Räumungsprozess der von der HSH bestellten Zwangsverwalter Titz und Tötter gegen das Biotop hinter dem Tacheles-Gebäude statt.

Am 5. November soll zudem das Kino HighEnd54 geräumt werden. Und im Februar steht ein Räumungsprozess gegen die vom Café Zapata betriebene Freifläche an. Die dabei zugleich einzuklagende Nutzungsentschädigung von 84000€ (=35€ pro qm und Monat) für eine im Winter kaum nutzbare 200qm Brachfläche, hinterlässt Ratlosigkeit. Im Prozess gegen den Tacheles e.V., als dessen Folge der Verein Insolvenz erklären musste, hatte die Zwangsverwaltung für den größten Teil des Gebäudes noch 2€ Quadratmetermiete angesetzt.

Hintergrund der Forderung von Titz und Tötter muss also die Absicht sein, die Tacheles-Betreiber in den wirtschaftlichen Ruin zu treiben. Zugleich erhöhen sich durch einen hohen Streitwert die Anwaltshonorare. Rund 70000€ haben die Zwangsverwalter mit ihrem bislang erfolglosen Vorgehen gegen das Tacheles nach Schätzung der Anwälte der Gruppe Tacheles bereits verdient – Geld, das indirekt der Steuerzahler zahlt, der die HSH Nordbank mit Milliardenbeträgen gestützt hat.

Nichtsdestotrotz gehen Tacheles-Reformen und die geplante Bebauung des Tacheles-Areals unvermindert weiter. Während anderswo hinter verschlossenen Türen gemauschelt wird, reformiert sich das Kunsthaus Tacheles in aller Öffentlichkeit selbst: Mit der Gruppe Tacheles/Pro Tacheles hat sich ein Demokratisierungsbündnis gebildet, das rund 2/3 der Tachelesen umfasst und den jahrelangen hausinternen Streit endlich Vergangenheit sein lässt.

Das Demokratie-Bündnis plant eine autonome Wasser- und Energieversorgung für das Tacheles und baut eine Art Facebook für Künstler im Internet auf. Das Tacheles-Gelände soll mit neuen Quartieren für die Kunst bebaut werden – ein Architekturwettbewerb wird im November ausgeschrieben. Das Gelände will man kaufen oder mieten. Das Kunsthaus Tacheles soll bleiben, was es war: Ein Ort internationaler Kultur-Vernetzung und künstlerischer und architektonischer Grenzüberschreitung.

Termine:

Mi 27.10. | 10:30 | Räumungsklage Biotop | Amtsgericht Mitte | Saal 2806 | Räumungsklage Titz gegen Putzbach

Fr. 05.11. | 8:00 | Räumung des Kinos HighEnd54

Februar 2011 | Räumungsklage Freifläche

3D-Tacheles auf Second Life

Das Tacheles expandiert ins Netz. Die offene Gruppe “TACHELES in 3D” baut in Kooperation mit YOUin3D.com die Räume des Tacheles nach. Künstler und Bürger sind eingeladen sich an der Entstehung und Begehung des virtuellen Kunstraums zu beteiligen.

TELEPORT zur 3D Skizze in Second Life

Wer noch keinen Second Life Account hat, kann dort auch umsonst einen 3D Avatar anmelden. Seid live dabei beim Erstellen des virtuellen Kunsthauses oder helft sogar mit: Da das TACHELES in 3D über der “newBERLIN SANDBOX” in einer Skybox schwebt, könnt ihr dort sogar mit Hilfe des kostenlosen Second Life Viewers an dem 3D Nachbau mitarbeiten.

Wenn ihr ein 3D Avatar registriert habt und an dem Projeke teil nehmen wollt, könnt ihr euch hier direkt in dem Online Dokument eintragen.

Mehr Infos: http://kunsthaus-tacheles.berlinin3d.com/

Deutscher Kulturrat: “Tacheles als exemplarischer demokratischer Raum”

Kaum ein Gebäude in Berlin illustriert sinnfälliger als das Kunsthaus Tacheles wie eine Stadt von unten aussehen und funktionieren könnte. Das Tacheles ist – bei allem notwendigen Streit über Kunst und Kommerzialisierung – mit seiner von den Betreibern selbst über Jahre organisch geschaffenen, sich ständig verändernden AnArchitektur und den von Künstlern, Gruppen und Projekten aus aller Welt gestalteten und genutzten Freiräumen ein exemplarischer demokratischer Raum – und das im Zentrum einer europäischen Hauptstadt und mit Strahlungskraft in alle Welt.

Das bedeutet nicht, dass es möglich ist, das Modell Tacheles auch auf andere städtebauliche Projekte eins zu eins zu übertragen, aber es bedeutet durchaus, Koordinaten derzeitiger städtebaulicher Strategien im Spiegel dieses Modells zu überdenken. Skepsis lösen die baulichen Planungen in Berlins Zentrum ja nicht deshalb aus, weil sie Kapital und Ideen in die Stadt bringen, sondern aufgrund ihres kulturell, wirtschaftlich und politisch rückwärtsgewandten Zuschnitts.

Die privatwirtschaftliche Umgestaltung, die seit 1990 das Ziel der Berliner Stadtentwickler war, ließ Orte entstehen, die von Unternehmensketten, Groß-Konzernen, Shopping Malls und Massenkultur besiedelt und privat kontrolliert werden. Die öffentliche Hand zog sich aus der Gestaltung zurück und ließ zugleich zu, dass die aktive Nutzung und Umgestaltung der neuen Räume durch Hausordnungen, private Sicherheitsunternehmen und eine gegen Zweckentfremdung abgesicherte Architektur verhindert wird. Bauten für die Ewigkeit – der Faktor Zeit bleibt ausgeblendet. Am architektonischen Neo-Klassizismus, der sich nicht nur bei Projekten wie dem Abriss des Palasts der Republik für den Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses durchsetzte, lässt sich eine zugrunde liegende restaurative Tendenz ablesen: Ein Kaiserreichs-Simulakrum verdrängt die Erinnerung an die Diktatur, die hier einst regierte und von den Bürgern in die Knie gezwungen wurde.

Der Gedanke, der auch die geplanten Bebauungen an der Spree überstrahlt, manifestiert sich bereits heute in der Stadionarchitektur der O2-Arena mit ihrem Sender-Empfänger-Modell oder auf dem Potsdamer Platz, wo die Versöhnung von Luxus-Versprechen, Boheme-Zitat und Massenkultur auch deshalb misslingt, weil alles überwacht wird, um Eigeninitiative jenseits von Kaufentscheidungen zu ersticken. So verhält sich das Unterhaltungs- und Konsumangebot am Potsdamer Platz zur globalen Subkultur Berlins etwa so wie die letzte Love-Parade zu den ersten. Kein Zufall, dass am Potsdamer Platz nachts fast nur die Wächter ausharren. Denn nachts schnürt sich der Platz zu dem Sicherheitsbedürfnis zusammen, das ihn auch tagsüber durchdringt.

Auch Leerstand und Brachflächen wie das 23600qm große Areal in der Berliner Innenstadt, auf dem Kunsthaus Tacheles und Tacheles-Freifläche mit rund 4000qm angesiedelt sind, dokumentieren das Scheitern des städtebaulichen Laissez-faire. Das Gelände wurde für 68,2 Millionen DM (=34,87 Millionen €) an Adlon- und Heiligendamm-Investor Anno August Jagdfeld verscherbelt und anschließend vergessen. Gebaut hat Jagdfeld und seine Johannishof Projektentwicklungs GmbH bis heute nicht. Kredite landeseigener Banken in Höhe von 75 Millionen € versickerten großteils spurlos. Heute ist Johannishof insolvent und landeseigene Banken, allen voran die HSH Nordbank, haben als Gläubiger das Sagen: Das Kunsthaus soll geräumt werden.

Man muss jedoch nicht die grundsätzliche Berechtigung privatwirtschaftlichen Städtebaus, Luxushotels oder den Massenkonsum in Frage stellen, um zu ahnen, dass es in der Stadt Berlin an partizipativen städtebaulichen Strategien fehlt. So schrumpft das Tacheles zu einem Denkmal für den Ausnahmezustand zusammen, eine mehr oder weniger geduldete, mehr oder weniger geliebte kulturelle Nische, die als touristisches Spektakel und Tinnef-Manufaktur selbst Teil ökonomischer Verwertungszwänge wird.

Hier bahnt sich erst durch den Zusammenschluss von 2/3 der Tacheles-Künstler und –Projekte zu Gruppe Tacheles und Pro Tacheles ein Kurswechsel an. Mit dem aus Kriegsschrott und Teilen der Berliner Mauer in 22m Höhe auf dem Areal entstehenden, spendenfinanzierten Berliner Riesenkranz, der mit 130 Metern Durchmesser und über 2000 Tonnen Gewicht das größte von Bürgern gebaute Denkmal aller Zeiten wäre, wird ein Zeichen der friedlichen Kooperation und der Bürgerfreiheit gesetzt: Wir sind mündige Bürger. Wir bauen selbst. Die Auslobung eines Architekturwettbewerbs für das Gesamtareal ist der nächste Schritt.

Denn es wird gerade angesichts der jüngsten Erkenntnisse, dass die öffentliche Hand es versäumt hat, den Verkauf des Tacheles-Geländes angesichts eines tatenlosen Investors zu widerrufen (wie es rechtlich möglich und geboten gewesen wäre), den juristischen Zweifeln an der Rechtsmäßigkeit des damaligen Verkaufs und den von Jagdfeld veruntreuten Geldern umso dringender, einige Fragen zu stellen: Mit welchem Recht entscheidet die vom Staat mit Milliarden subventionierte Hamburger Gläubigerbank HSH Nord über die Zukunft öffentlichen Raums in unserer Stadt? Wie kann es angehen, dass die politisch Verantwortlichen nicht nur tatenlos zusehen wie Freiräume dicht gemacht werden, sondern dies sogar im Fall der Mediaspree aktiv gegen das Ergebnis eines demokratischen Volksentscheids fördern? Und schließlich: Was wäre, wenn die öffentliche Hand das Areal um das Tacheles, statt es sich selbst zu überlassen und aufs Gespinst neuerlicher Megainvestitionen zu setzen, an  freie künstlerische und mediale Projekte, Gruppen und Kollektive aus aller Welt vermietet und verkauft und zur freien, selbstverwalteten Bespielung, Bebauung und Veränderung freigibt?

Es ist an der Zeit, dass die Politik sich daran erinnert, dass ihr Mandat von vielen geliehen ist, nicht bloß von Gästen des Hotel Adlon.

Tim Africa ist Journalist und Künstler sowie Presse- und De-Eskalationsbeauftragter der Gruppe Tacheles.

Kino & Tacheles-Biotop vorläufig gerettet!

Olivier Putzbach freut sich: Beim Räumungsprozess gegen das von ihm mitbetriebene Tacheles-Biotop vor dem Amtsgericht Mitte Ende Oktober erlebten Tacheles-Zwangsverwalter Titz&Tötter erneut eine peinliche Schlappe. Sie hatten sich beim einzuklagenden Nutzungsentgelt verrechnet – eine falsche Multiplikation ergab 4500 statt 5400€. Bei Streitwerten über 5000€ ist ein anderes Gericht zuständig. Nun ist eine Verzögerung von bis zu einem Jahr wahrscheinlich.

Auch die geplante Räumung des Kino HighEnd54 ist gescheitert. Freilich haben die Anwälte mit ihren bisherigen Klagen und Räumungsversuchen den Tacheles e.V. erfolgreich auf Räumung verklagt und in die Insolvenz getrieben. Als nächstes soll im Februar die Freifläche dran glauben.

Artists United: New Tacheles Network Online

All labor that uplifts humanity has dignity and importance.

Zwangsversteigerung: We are prepared.

Das Tacheles wird am 4. April zwangsversteigert. Für das Kunsthaus ändert sich unmittelbar nichts. Nach wie vor wird die Tacheles-Räumung von HSH Nordbank und der Zwangsverwaltung betrieben. Die Veröffentlichung des Tacheles-Kaufvertrags von 1998 durch die Gruppe Tacheles könnte jedoch die Mitte-Investmentträume platzen lassen. Jetzt steht fest: Die Bundesrepublik kann und muss ihr damaliges Geschäft mit der Fundus GmbH rückgängig machen, da der Käufer durch jahrelange Untätigkeit die Frist für die Realisierung des Bauvorhabens überschritten hat. Die Rückabwicklung würde für Bund und Steuerzahler durch den gestiegenen Marktwert des Grundstücks und eine beträchtliche Vertragsstrafe für Fundus einen Gewinn von mindestens 25 Mio. € bedeuten und den akut von Zwangsversteigerung und Zwangsräumung bedrohten Kunstraum im Zentrum Berlins dauerhaft erhalten helfen. Gleichzeitig verdichten sich Hinweise auf Wirtschaftskriminalität beim damaligen Verkauf. Ein Rechtsgutachten der Kanzlei SKW Schwarz unterstreicht: Jetzt muss die Politik endlich handeln.

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