HSH Nord räumt weiter

October 26th, 2010  |  Published in News

Während bei der HSH Nordbank nach einer Skandalserie und Milliardenverlusten die Stühle wackeln, gehen ihre Aktivitäten zur Räumung des Kunsthaus Tacheles in die nächste Runde. Trotz zahlloser Gesprächsangebote der Gruppe Tacheles und der erklärten Bereitschaft, das Gelände zum Marktwert zu kaufen, findet am morgigen Mittwoch der nächste Räumungsprozess der von der HSH bestellten Zwangsverwalter Titz und Tötter gegen das Biotop hinter dem Tacheles-Gebäude statt.

Am 5. November soll zudem das Kino HighEnd54 geräumt werden. Und im Februar steht ein Räumungsprozess gegen die vom Café Zapata betriebene Freifläche an. Die dabei zugleich einzuklagende Nutzungsentschädigung von 84000€ (=35€ pro qm und Monat) für eine im Winter kaum nutzbare 200qm Brachfläche, hinterlässt Ratlosigkeit. Im Prozess gegen den Tacheles e.V., als dessen Folge der Verein Insolvenz erklären musste, hatte die Zwangsverwaltung für den größten Teil des Gebäudes noch 2€ Quadratmetermiete angesetzt.

Hintergrund der Forderung von Titz und Tötter muss also die Absicht sein, die Tacheles-Betreiber in den wirtschaftlichen Ruin zu treiben. Zugleich erhöhen sich durch einen hohen Streitwert die Anwaltshonorare. Rund 70000€ haben die Zwangsverwalter mit ihrem bislang erfolglosen Vorgehen gegen das Tacheles nach Schätzung der Anwälte der Gruppe Tacheles bereits verdient – Geld, das indirekt der Steuerzahler zahlt, der die HSH Nordbank mit Milliardenbeträgen gestützt hat.

Nichtsdestotrotz gehen Tacheles-Reformen und die geplante Bebauung des Tacheles-Areals unvermindert weiter. Während anderswo hinter verschlossenen Türen gemauschelt wird, reformiert sich das Kunsthaus Tacheles in aller Öffentlichkeit selbst: Mit der Gruppe Tacheles/Pro Tacheles hat sich ein Demokratisierungsbündnis gebildet, das rund 2/3 der Tachelesen umfasst und den jahrelangen hausinternen Streit endlich Vergangenheit sein lässt.

Das Demokratie-Bündnis plant eine autonome Wasser- und Energieversorgung für das Tacheles und baut eine Art Facebook für Künstler im Internet auf. Das Tacheles-Gelände soll mit neuen Quartieren für die Kunst bebaut werden – ein Architekturwettbewerb wird im November ausgeschrieben. Das Gelände will man kaufen oder mieten. Das Kunsthaus Tacheles soll bleiben, was es war: Ein Ort internationaler Kultur-Vernetzung und künstlerischer und architektonischer Grenzüberschreitung.

Termine:

Mi 27.10. | 10:30 | Räumungsklage Biotop | Amtsgericht Mitte | Saal 2806 | Räumungsklage Titz gegen Putzbach

Fr. 05.11. | 8:00 | Räumung des Kinos HighEnd54

Februar 2011 | Räumungsklage Freifläche

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