Architektur- & Reform-Debatte Tacheles 3.0

November 25th, 2010  |  Published in Projects

Die Grundlage für das Tacheles der Zukunft ist in zwanzig Jahren Geschichte des Hauses als Ort internationaler Sub-, Pop- und Untergrundkultur gelegt worden und verdichtet sich zu einem Grundsatz: Das Tacheles ist ein offenes Haus.

Das beinhaltet:

1.     Offene Türen:  Gebäude und Gelände des Kunsthauses Tacheles sind begehbar, Ateliers offen und Kommunikation erwünscht. Zugleich ist das Kunsthaus eine Spielwiese für Eingriffe und Veränderungen durch das Publikum.

2.     Intervention: Der Eingriff in soziale, kulturelle, architektonische und wirtschaftliche Konstellationen ist eine Arbeitstechnik des Kunsthauses und dient der gezielten Veränderung erstarrter Formen und der Provokation von Erkenntnisprozessen. Eine entgrenzte Form des Theaters.

3.     Politik des Presslufthammers: Stadtarchitekturen und Räume werden nicht als fertiges, hinzunehmendes Endergebnis betrachtet, sondern als künstlerisch zu veränderndes, zu eroberndes Terrain und Spielfeld der AnArchitektur.

4.     Kollektivbildung: Wer privat bleibt, bleibt ahnungslos und klammert sich an Besitzstände. Arbeit in Gruppen ist erwünscht und wird gefördert. Das beinhaltet internationale Austauschprogramme ebenso wie die Einbindung neuer Gruppen und Kollektive, die im Tacheles geförderte und unterstützte Projekte und Ideen realisieren können. Dazu gehört in Zukunft möglicherweise auch die Beteiligung am Aufbau alternativer Kunsträume in aller Welt.

5.     Grenzauflösung: Das Kunsthaus Tacheles ist weder ein Denkmal noch ein white cube, in dem end-gültige Werke der Kunst ausgestellt werden, sondern ein Ort, der auf die Auflösung der Grenzen zwischen Werk und Umwelt, Kunst und Leben und zwischen den Künsten und Medien sowie die Unabschließbarkeit von Kunstwerken angelegt ist.

Organisation

Betriebssystem des Kunsthaus Tacheles ist eine demokratische Verfassung, die die freie Meinungsäußerung und kontroverse, auch öffentlich geführte Debatte fördert und herausfordert und auf vielstimmige Beteiligung an Entscheidungsprozessen wie der Auswahl von Kuratoren zielt und Machtkonzentration in den Händen einzelner strukturell ausschließt. Das Kunsthaus beinhaltet kuratierte, konzeptionell betreute Räume und Veranstaltungen ebenso wie Freiräume, in denen sich Projekte unabhängig entfalten.

Das Kunsthaus Tacheles ist nicht käuflich. Das bedeutet, dass künstlerische und konzeptuelle Entscheidungen in der künftigen Tacheles-Organisation gegen wirtschaftliche Einflussnahme und Kompromittierung von außen abgesichert werden. Auch intern agieren Kuratorium und Projekte inhaltlich unabhängig von der Geschäftsführung, mit der gemeinsam Finanzierungsstrategien entwickelt werden. Institutionelle und privatwirtschaftliche Partner werden gezielt nach ihrer Eignung, eine freie Arbeit der Kunst zu ermöglichen, ausgewählt.

Als Organisationsstruktur sind ein gemeinnütziger Verein, Genossenschaft, GmbH oder Stiftung denkbar.

Finanzierung

Finanzierungsanker sind Musik-, Kunst- und Kultur-Veranstaltungen, Werkverkauf, Label, Kino, Radio und Verlag sowie institutionelle Partner und alternative Privatwirtschaft, die sich als Mieter, Veranstalter, Unterstützer und Sponsoren an der Finanzierung des Tacheles beteiligen. Querfinanziert werden dadurch Projekte im Haus, Ateliervergabe sowie der angestrebte Kauf des Tacheles-Geländes.

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