Fotografie Kunst

Fotokunst

Die Stadt Winterthur ist eine Schatzkammer für Kunst, Geschichte und Natur. Lost traces of life Ein Gespräch zwischen Isabelle Graw und Benjamin Buchloh über Indexizität in der analogen und digitalen Fotografie. Sie finden sich noch in der Vielfalt der modernen Kunst zurecht? PHOTOGRAPHIE - KUNST - PRAXIS. Die Natur- und Landschaftsfotografie ist eindeutig mein Lieblingsgenre.

Kunstwörterbuch

Ihr künstlerischer Charakter war lange Zeit kontrovers, erst in den letzten Jahren hat sich die Fotografie immer mehr als eigenständige Kunstrichtung durchgesetzt. Die Fotografie hat mehr als jedes andere bildnerische Mittel unsere Weltwahrnehmung geformt und unser VerhÃ?ltnis zur RealitÃ?t verÃ?ndert. Erstaunlich ist vor diesem Hintergrund, dass die Fotografie in der heutigen Kunstwelt immer mehr an Bedeutung gewinnt.

Darf ein Medium Kunst sein? Seitdem hier die Fotografie erfunden wurde - die Publikation der Methode der Daguerreotypie im Jahre 1839 wird als Stichtag angesehen - wird diese Fragestellung immer wieder auftauchen. In Zeiten der industriellen Entwicklung war die Fotografie zunächst eine weitere neue Kunst. Die Fotografin wurde als Expertin angesehen, die das Gerät bedient und die Aufnahmen mit chemischen und physikalischen Mitteln entwickelt hat.

Dem Kunstbegriff der Zeit entsprechend sprechen viele Gründe gegen die Erkenntnis der Fotografie als Kunstform: Der Photograph kann die ganze Erde nur mit einem Apparat darstellen, während ein Künstler oder Plastiker die Realität in seinem Schaffen durchdringt. Was ist ein Bild in der Fotografie? Doch vor allem taucht immer wieder die Fragestellung nach kreativer Intention und künstlerischer Urheberschaft auf: Welche Gesichtspunkte geben der Fotoproduktion eines Urhebers den Charakter eines Werkes?

Handelt es sich bei einem Bild um ein automatisches Werk, weil Pablo Picasso den Auslöseknopf gedrückt hat? Durch die wissenschaftliche Verunsicherung im Bereich der Fotografie wurde der Eintritt in die großen Kunstmuseen lange Zeit verhindert. Auch in den USA, wo die Fotografie ein wichtiger Bestandteil der Befreiung von der Tradition der Kunst in Europa war, wurden erst in den 1950er Jahren weitere Fotoabteilungen eingerichtet.

Einzig das New Yorker Kunstmuseum hat seit seiner Gründung 1929 eine eigene Fotoabteilung. Erst in den 1960er und 1970er Jahren haben die meisten Fotomuseen in Europa mit dem Bau von Fotosammlungen begonnen. Damals war die Aufhebung traditioneller Genregrenzen durch den so genannten "erweiterten Kunstbegriff" in vollem Gang und förderte die Erkenntnis der Fotografie als eigenständiger Bildkunst.

Seit den 80er Jahren stiegen die Bildpreise auf dem Markt für Kunstwerke stark an und die Kunstfotografie wurde in den Kompass der Fachzeitschrift "Capital" aufgenommen. Fotoausstellungen haben nun einen fixen Bestandteil im Veranstaltungsprogramm der namhaften Austellungshäuser. Dahinter verbirgt sich die Stilvielfalt der modernen Fotografie, die sich in der Regel in den Vordergrund drängt.

Bereits vor 160 Jahren war Henry Fox Talbot, der Begründer des Fotodrucks auf Fotopapier, der Meinung, die Fotografie sei "eindeutig ein Instrument (....), das in den Händen des erfinderischen Verstandes und der Kunst lag". Seine Altersgenossen glauben gar, dass die Fotografie die Gemälde gelingen und sie letztendlich vollständig auswechseln wird.

Glücklicherweise - für das Malen und Fotografieren - haben sich die Verhältnisse anders gehandhabt. Kunstfotografie versucht, ihren Status durch ihre räumliche Distanz zur Kunst zu rechtfertigen. Diese sogenannte "Piktorialität" beherrschte über Jahrzehnte die deutsch- und englischsprachige sowie die amerikanischsprachige Fotografie. Im Jahr 1917 publizierte er in der letzen Nummer seiner Fachzeitschrift "Camera Works" Fotos des Photographen Paul Strand.

Strangs Arbeit bewirkte einen Wendepunkt in der "geraden Fotografie", die in Deutschland "reine Fotografie" nannte. Die Kunstavantgarde in den USA, Deutschland und der Sowjetunion hat in den 1920er Jahren die Fotografie als neue Ausdrucksform entdeckt. Im Gegenzug dazu ist in Deutschland eine Tendenz entstanden, die als Neue Objektivität beschrieben wurde, ähnlich der Malkunst.

Technisch perfekt, die genaue Objektbeschreibung und die Verdrängung aller malerischer Wirkungen prägen diesen Kunststil und das Schaffen der Photographen Albert Renger-Patzsch, August Sander und Karl Blossfeldt. Das berühmte Sandersche Kunstprojekt "Menschen des zwanzigsten Jahrhunderts" ist auch in seiner Enzyklopädie ein Wegbereiter der Konzeptfotografie. Der französische Musikstil, in dem sich die dokumentarischen und künstlerischen Aspekte ausgleichen, wurde von Wanderer Evans als Poesie bezeichnet.

Als erster Photograph widmet das Kunstmuseum 1938 eine Monographie. American Photographs" erscheint als Katalog zur Fotografie und ist das erste Buch in der Fotografie. In der folgenden Zeit wurden in den amerikanischen Heimatmuseen verhältnismäßig häufige Fotoausstellungen gezeigt, in denen der Purismus mit seiner handwerklichen Vollkommenheit, seinen strikten Bildkompositionen und seiner aussagekräftigen Darstellung bevorzugt wurde.

Dieser Kunstbegriff wurde in den 1950er Jahren von Robert Frank in Zweifel gezogen, dessen Fotografien eine radikale subjektive Sichtweise auf die amerikanische Bevölkerung zeigten. Photographen wie Diane Arbus und Lee Friedlander führten diese dokumentarische, aber sehr persönliche Art in den 1960er Jahren fort. In der Dokumentarfotografie wurde die Einzelperspektive zu einem richtungsweisenden Stilinstrument, stößt aber immer wieder auf Abneigung.

Zahlreiche Künstler, die sich in den 1970er Jahren im Rahmen der Konzeptkunst der Fotografie zuwendeten, haben versucht, ihren Kunstanspruch zu untermauern, indem sie Fotos nicht als eigenständige einzelne Bilder darstellten, sondern Ergänzungstexte schrieben, Extremformate wählte oder Bildfolgen anordnete. Viele Fotografen setzen sich seit den 80er Jahren mit dem Problem der Verwertbarkeit der Fotografie auseinander, indem sie große Bildformate einsetzen und den Zuschauer mit der körperlichen Anwesenheit der Fotografie auseinandersetzen.

Bei Jeff Wall kommen große Dias zum Einsatz, bei Thomas Struth, Thomas Ruff und Axel Hütte auch große Diaformate. Überraschend sind die Themen oft klassisch, dominiert von den klassischen Gattungen der Gemälde wie Portrait, Landschafts-, Innen- oder Stadtansichten. Die Selbstreflektion des Medien, seiner Historie und seiner Wahrnehmungen ist ein zentrales Motiv der zeitgenössischen Fotografie.

Obwohl der Glauben an die augenscheinliche Sachlichkeit der fotografischen Aufnahmen inzwischen geschüttelt wurde - wenn auch weniger durch die Fotografie selbst, sondern durch das Medium TV -, sind wir dennoch leicht darauf vorbereitet, eine Fotografie als Bild der Wirklichkeit aufzufassen. So wird das Spielen mit Grenzübergängen und das Brechen von Blickgewohnheiten auch zu einem unverzichtbaren Stilinstrument der zeitgenössischen Fotografie.

Dies ist die grundlegende Entscheidung, die der Fotograf heute fällen muss. Mit der elektronischen Bildverarbeitung eröffnen sich neue Möglichkeiten in der Fotografie. Das Angebot an Fotostilen und Manuskripten nimmt ständig zu. Dabei hat sie dazu beizutragen, dass sich die Fotografie bis heute weitestgehend der umfangreichen theoretischen oder kunsthistorischen Forschung entzieht. Genau das ist es, was die Fotografie für viele auszeichnet.

Mehr zum Thema