Handgemalte Bilder aus Dafen

Handbemalte Bilder aus Dafen

Er hat die Bilder selbst gemalt. Unsere Fabrik befindet sich in DaFen Dorf Shenzhen Stadt, GuangDong, China. Unsere Fabrik befindet sich in DaFen Dorf Shenzhen Stadt, GuangDong, China. Genauer gesagt Aus Dafen, der Metropole für Nachahmungen.

Durch Harald Maass, Dafen: Die Kopiermaschine - dritte Stelle

Das Huang Tianshuis Atelier befindet sich im zweiten Obergeschoss eines unauffälligen Wohnhauses. In hunderten von Bildern, die neben einander liegen und sich gegeneinander lehnen, durchblättert Huang. Vincents van Gogh, Claude Monet, Gustav Klimt und Andy Warhol schweben durch seine Hand, ein schneller Lauf durch die Zeitgeschichte. Hwang pausiert. Er will den Gegenwert von 14 EUR. Auch die anderen Bilder hat er gezeichnet, alle so wie sie hier und andere sind.

Er ist 41 Jahre jung und ein Künstler. Er kam aus den Provinzen nach Dafen. Bei Dafen hatte er Recht. Zu dieser Zeit wurden hier die ersten Berufskopierwerkstätten für Malerei eingerichtet. Viele talentierte Künstler und Konstrukteure arbeiten eng zusammen und fertigen wie Fließbandarbeiter Nachbildungen.

Mehr und mehr Künstler schlossen sich an. Zu Shenzhen, einer Industriestadt mit 14 Mio. Menschen an der chinesischen Staatsgrenze zu Hongkong, wo die Eröffnung vor 30 Jahren begonnen hat, zählt Dafen. Auch in Dafen geht das. Im vergangenen Jahr exportiert die Hansestadt geschätzte fünf Mio. Bilder und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von 37 Mio. EUR.

"50%", sagt Xiao Xinxia, Direktor des Stadtrates. Benötigt eine amerikanische Hotellerie eine Landschaftsmalerei für die Räume oder will ein deutsches Baumarktunternehmen Ölgemälde vertreiben, so schickt sie ihre Käufer nach Südchina, wo sie am Dafeneingang von einer Bronzeskulptur in Gestalt einer Riesenhand mit Bürste empfangen werden.

Dafen war vor zehn Jahren ein unabhängiges Dörfchen, heute ist es nur noch ein kleiner Stadtteil im Meer der Häuser. Im Schuppen und in den Eingangsbereichen des Hauses kann man Gemälde mit ihren Staffeln sehen, auf denen sie mit einer Glühlampe beleuchtete Werke nachahmen. Die Malerei in Dafen ist eine arbeitsteilig organisierte Gewerbe.

Häufig sind mehrere zehn Künstler in einer Eingangshalle tätig. Einige Studios sind auf Impressionismus und andere auf Pop Art ausgerichtet. Einige von ihnen haben sich mit der Malerei beschäftigt. Huangtianshui hatte nie eine formale Ausbildung. "Ich habe als kleines Mädchen gerne gemalt, und so wurde es zu meinem Beruf", sagt er. Ein gutes Rembrandt Exemplar dauert zehn Tage und kostete 800, etwa 80 EUR.

Im selben Zug zeichnen sie einige farbige Linien über die Bildfläche und leiten das unvollendete Gemälde an den nachfolgenden Künstler weiter. In Dafen wird das Motiv Marilyn Monroe von Andy Warhol für fünf Euros inszeniert. Die russischen Champions erhalten einen Preisnachlass von zehn Euros, für große Bestellungen. Der kleine Huabing setzt sich auf einen Gehsteig unter dem offenen Sternenhimmel von Dafen und porträtiert ein Kind.

Nach seinem Kunststudium in der zentral-chinesischen Metropole Chongqing kam er vor einem Jahr nach Dafen. Die meisten Künstler in Dafen erhalten weniger als 3.000 Dollar im Monat für 300 Dollar, in Südchina ist das nicht viel. Für einen qm sind es drei Euros. Dafen hat eine enge Beziehung zu einem Hong Kong Unternehmer namens Huang Jiang.

Er begann seine Laufbahn als Botenjunge in Hong Kong und begann später ein Unternehmen mit Kopien von Kunstwerken. Die Mietpreise und Arbeitskosten in Dafen waren gering, der Bildtransport nach Hongkong war leicht. Er war es, der die Maler aus der chinesische Region dazu brachte, für ihn zu malen. Einmal, so sagt er, habe er in sechs Monaten 50.000 Bilder für die US-Supermarktkette Wal-Mart hergestellt.

Ein Teil der von ihm mitgebrachten Kunstschaffenden gründete in Dafen eigene Betriebe und bildete Landwirte und ungelernte Arbeiter zu Malern aus. Es sind mehr Gemälde, mehr Gemälde - und die Verkaufspreise sind gesunken. Auch Zeng Lanmu war einer der ersten in Dafen. Für einen Andi Warhol benötigt Zeng drei Std., ein Dalí bräuchte mehr.

"Dass chinesische Künstler auch chinesische Bilder zeichnen, ist seit der Blütezeit des Landes üblich. Wurden die Bilder früher nahezu ausschliesslich im Export vertrieben, so kommen heute immer mehr Abnehmer aus China. Manche Gallerien haben sich bereits auf den neuen Kundenkreis konzentriert und vertreiben Exemplare chinesischer Klassiker mit Pferd und Landschaft.

Die Guangzhou Union Universum Digital Technology Gallery ist auf die Herstellung von Hologrammen spezialisierte. Drei-dimensionale Bilder von unbekleideten Damen sind populär. Heute wird Dafen von den zuständigen Stellen als Wirtschaftsstandort beworben. Die braunen Hinweisschilder entlang der Stadtstraße, die auf spezielle chinesische Besonderheiten aufmerksam machen, loben das "Dafen Ölmalerdorf". Im Jahr 2004 hat die Gemeinde die Gemeinde zur "Modellbasis für die Kulturwirtschaft" erklärt.

Im Dafen gibt es den "Dafen Louvre", ein Kunst-Einkaufszentrum mit Gips-Säulen und farbenfrohen Töpferwerk. Niemand weiss, welche Bilder dort zu sehen sein werden, in einer Großstadt, die nur Bilder nachbildet. Anders als andere Städte in Shenzhen, die sich auf das Vervielfältigen von Marktschuhen oder Spielfilm-DVDs spezialisieren, hat Dafen bisher keine Urheberrechtsprobleme.

"Mit unserer Malerei tun wir nicht weh", sagt Zeng. Die Künstlerin muss ohne die Künstler in Dafen einen Druck an die Wände kleben, sagt Zeng und hält ein Gemälde, das sie selbst gemalt hat, für wunderschön. In Dafen ist die industrielle Entwicklung der Künste noch nicht zu Ende. In Dafen ist die Informatisierung die logische Fortsetzung des Prozesses der Industrie.

Diese Drucke sind Modelle für die Künstler, die das Motiv dann nur noch mit Ölfarbe ausmalen. In Dafen werden die meisten Bilder heute auf diese Weise gemalt. Sie werden in den Gallerien als "echt handbemalt" verkauft. Ist das nur die Art des Nachmachens?

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