öl Leinwand

Ölgemälde

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Ölfarbe auf Leinwand

Jean-Marie Straub und Danièle Huilllet drehen im Sommersemester 1974 in Italien Moses und Aron, einen auf die gleichnamige Opern von Arnold Schönberg basierenden Dreh. Es gibt ein Tagebuch, in dem er über alle praktische Einzelheiten spricht, die eine wichtige Funktion hatten: das Eastman Color Negativmaterial 5254, das hier zum letzen Mal verwendet wird, bevor es von einem neuen Industriestandard übernommen wird; der Fisher Sound Boom, der es erlaubt, ein Mikrophon auch in der Gesamtaufnahme unbemerkt über dem Bildteil zu platzieren; aber auch die Fragestellung, wo die Sängerinnen auf die Toilette gehen könnten, nachdem die Bäuerinnen dies nicht mehr in ihrem Haus erlauben wollten.

Die 1975 von der Fachzeitschrift Filmkritik übersetzte Zeitschrift ist einer der wesentlichen Bestandteile von Stefan Hayns Film STRAUB (2014). In der Nachkriegszeit des Autorenkinos (die Nouvelle Vague in Frankreich, der Neue Film in Deutschland) war nämlich in Europa bestenfalls ein Markenzeichen wie Godard und Bresson.

Die Anspielung auf Straub-Huillet ist für Stefan Hayn, zurzeit Absolvent der Hochschule der Künste in Berlin, eine Gelegenheit, sich als Maler zwischen unterschiedlichen medialen Ausdrucksformen zu platzieren. Der STRAUB ist nun klar ein Metafilm, eine Auseinandersetzung mit seiner eigenen kunst- und filmgeschichtlichen Stellung. Er will wissen, wie er sich mit Straub-Huillet nicht auf epigonale Art und Weisen verhält.

Vielmehr könnte es den Anschein haben, dass er der Zeitschrift von Hüillet, die in STRAUB auszugsweise von zwei weiblichen Stimmen aus dem Hinterzimmer vorgelesen wird, einen zweiten französischsprachigen Teil gegenüberstellt: Ausschnitte aus L'Espèce humaine von Robert Antelme, der von seiner Gefangenschaft in Gandersheim 1944 Zeuge ist.

Die Beziehung von Wort und Schrift ist nie komplementär im herkömmlichen Sinn, die Rede hat klar den Vorrang, was zu einer besonderen Form der literarischen Filmadaption führt, die in kritischem Zusammenhang mit den Gepflogenheiten von Hörbuch (flüssigem Sprachgebrauch, Erzählfluss) und literarischem Kino (realistische Figurenverkörperung, bildliche Vergegenwärtigung von Textsignalen) steht.

In diesem Zusammenhang geht er noch einen entscheidenden Schritt weiter in der Bestimmung der Beziehung zwischen Image und Schrift. Mittlerweile dreht er aber auch Dreharbeiten, die nicht zu den Orten von Moses und Aaron in Italien passen (abgesehen von einem Strassenschild aus Gandersheim und einer Strassenszene in Paris). Seit 2006 entstandene Arbeiten, die als Fortführung des frühen Filmes Painting Today (2006) gesehen werden können.

Mit seiner langjährigen Lebensgefährtin Anja-Christin Remmert hatte er Aquarelle, die er 1998 in Berlin zu zeichnen begonnen hatte, in einer gezielten Verlagerung der dokumentarischen Praxis einfließen ließ. Doch gerade die offensive Gestalt des langsam, mittelmäßig "zurückgebliebenen" Künstlers war 2006, als die heutige Malweise abgeschlossen war und die großen Erwartungen an eine Politisierung Deutschlands lange untergraben wurden, als äußerst treffend zu erachten.

Die STRAUB tritt nun als zweiter Baustein auf, um die Möglichkeit der Kunst wiederzugewinnen, nämlich durch den Kinoraum, der hier die Gallerie oder das Kunstmuseum weitestgehend ablöst. Mit STRAUB wollte sich Hayn von einer überwältigenden Geschichte der Tradition befreien, um sich in einem nicht so jugendlichen Lebensalter (er wird in diesem Jahr 50 Jahre alt) als Künstler zu etablieren.

Es wäre jedoch falsch, das Resultat seiner Filmarbeit (die sich seit Gay Films, 1989, mit Dokumentarabstraktionen beschäftigt) als Einstieg in die Kunst zu begreifen - auch wenn der Weg zum Ölgemälde in diese Richtungen zielt. Auch nach STRAUB ist nicht klar, ob der Standort dieser Gemälde die Gallerie oder das Haus ist (wie bei einer Werkschau im HeidelbergKunstvereins, wo Hayn typischerweise 2014 im Rahmen von Harun Farocki zu sehen war), oder ob sie ihren besten Standort im Filmgeschäft haben, eine Verbindung, die über ihre eigenen Überlieferungen hinausgeht.

Einer der eindrucksvollsten Aspekte des Filmes legt nahe, dass er sich in mehrfacher Hinsicht mit der Malereigeschichte auseinandersetzt: Wie kaum ein anderer Filmemacher der Gegenwart im deutschen Sprachraum kennt er die (!) Bedingungen der Modernität, die er auch auf der musikalischen Stufe (in STRAUB ist Hindemith der zweite Referenzpunkt nach Schönberg) und schliesslich in einer Kollage mit lichtundurchlässiger Wortbedeutung an die Weltspitze drängt.

Wie STRAUB eindrucksvoll beweist, führt er die Überlieferung nach außen. Die STRAUB wird in Berlin (Kino Arsenal & fsk Kino) und in München (Werkstattkino) zu sehen sein.

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